Verliert die Schweiz mit der Armee XXI
Zofingen Vortrag von Oberst Georg Ober-Kassebaum löste eine lebhafte Diskussion über Armee XXI aus
Nach einem engagierten Vortrag gegen die Armee XXI im Rahmen einer Veranstaltung der «Vereinigung Medien-Panoptikum» gegen die Armee XXI entbrannte eine lebhafte Diskussion pro und contra.
paul ehinger
Am Donnerstagabend fand im Hotel Zofingen ein gut besuchter Vortrag mit anschliessender engagierter Diskussion zu einer der Abstimmungsvorlagen vom 18. Mai statt: Oberstleutnant im Generalstab Georg Ober-Kassebaum, Präsident der Interessengemeinschaft Miliz, sprach über die Armee XXI beziehungsweise er lehnte diese Vorlage vehement ab. Ausgehend von den verfassungsmässigen Normen liegt für ihn die Priorität bei der Verteidigung des Landes. Für ihn sollte der Kampf dezentral, raumgebunden und infanteriestark geführt werden. Hierzu bedürfe es keiner NATO-Doktrin, sondern die Doktrin sollte lauten: Den Kampf auf den eigenen Boden ausrichten.
Sollte die
Armee aber auf die neuen Grundlagen gestellt werden, so zeigte sich
Ober-Kassebaum überzeugt, könne unser Land nicht mehr
verteidigt werden. Es würde in eine hohe Abhängigkeit der
NATO geraten. Er befürchtet ferner, dass zum Schutz vor
Terrorismus und Katastrophen keine genügenden und geeigneten
Mittel mehr zur Verfügung stehen würden. Als äusserst
negativ betrachtet er die Entmachtung des Volkes, da es alle
zukünftigen Entscheide über die Armee an das Parlament und
die Regierung delegieren müsste.
Die Folgen sind für
Ober-Kassebaum gravierend. Er befürchtet, dass eine Verteidigung
aufgrund der Armee XXI gegen einen überlegenen oder auch
gleichwertigen Gegner nur mit wenig Erfolgschancen geführt
werden könne. Es stelle sich die Frage, warum die Schweiz eine
reduzierte Armee haben soll bei gleich bleibendem Aufwand für
die Soldaten und gleich bleibenden oder gar steigenden Kosten, «wenn
doch diese Armee weniger leisten kann als die alte Armee». Das
sei doch «ein schlechtes Geschäft», meinte der
Referent.
Gegen Grosstechnologien
Ober-Kassebaum
vertrat dezidiert die Auffassung, dass es Alternativen zur Armee XXI
gebe. So sei eine auf schweizerische Gegebenheiten wie Terrain,
geografische Lage, Bevölkerung, Bebauung ausgerichtete
Verteidigungsdoktrin ohne Abhängigkeiten von technologischen
Grosssystemen möglich. Das habe etwa Serbien gezeigt. Wichtig
wäre es, das Primat der Aussenpolitik zu betonen, unsere
Interessen bewusst zu machen, das Neutralitätsprinzip zu achten
und eine «sparsam stark gemachte Armee ohne teure Technologien»
aufrechtzuerhalten.
Nach dem Vortrag kam es zu einer lebhaften
Diskussion, an der sich unter anderen auch Hans Hausammann aus
Strengelbach und Oskar Eich aus Zofingen mit differenzierten Voten
zum Wort meldeten. Wenn sie auch nicht mit ihrer Skepsis gegenüber
der Reformvorlage zurückhielten, so sahen sie doch auch gewisse
positive Aspekte. So etwa, dass die Milizarmee erhalten bleibe,
negativ, dass die Verbände aufgelöst würden. Gewarnt
wurde ferner, dass die Armeeabschaffer bei der Vorlage auch ihr
Süppchen kochen würden. Was weitgehend fehle, sei doch der
Wehrwille, betonte ein weiterer Votant.
Vorgängig hatte die
«Vereinigung Medien-Panoptikum» ihre ordentliche
Jahresversammlung durchgeführt. In seinem Jahresbericht
unterstrich Präsident Herbert Meier, dass die Schweiz einen
Auftrag in der Völkerwelt als Friedens- und Humanitärmacht
gegenüber den Gewaltmächten habe. Ein Ausdruck davon sei
das IKRK. Die neue bundesrätliche «Öffnungspolitik»
mache uns aber zu Verlierern: Die Schweiz verliere die ihr von der
Geschichte aufgetragene Rolle; sie werde als Anhängsel hin und
her geschoben. Diese Grundhaltung bestimme die Arbeit und den Einsatz
der Vereinigung «Medien-Panoptikum», die sie in einer
Zeit, des «laisser aller» in eine Oppositions-Rolle
hineindränge.
Die «UNO» riss ein Loch in die Kasse
Bei den Finanzen sieht es nicht ganz so gut aus. Die Vereinigung hat für den Abstimmungskampf «Nein zum UNO-Beitritt» die letzten Reserven eingesetzt, sodass ein Verlust von 33 000 Franken für das Jahr 2002 resultiert, den es im laufenden Jahr auszugleichen gilt. Als neuer Kassier wählte die Versammlung Dr. Karl Sonderegger, Urdorf, an die Stelle von Margrit Iten, Einsiedeln.
Zofinger
Tagblatt vom Samstag 29. März 2003