Es braucht weiterhin eine Schweizer Armee - aber welche?

Zur Vorlage vom 18. Mai


Das Zofinger Tagblatt berichtete am vergangenen Samstag über die Verabschiedung des Genie Bataillons 36. Landammann Ernst Hasler verdankte die Leistungen der im Volk verwurzelten Truppe und wies darauf hin, dass die Schweiz auch weiterhin eine Armee benötige. Die Frage ist, welche Armee es sein wird, die an die Stelle der bisherigen treten wird. Die Armee XXI natürlich, sagt man uns.

Wer ein bisschen näher hinschaut, wird entdecken, dass die Armee XXI völlig anders strukturiert ist als die bisherige. Christophe Keckeis, der designierte neue Armeechef, spricht Klartext, wenn er sagt, «eine autonome Verteidigung des Landes ist eine Utopie». Diese Aussage stimmt tatsächlich, weil die neue Armee bewusst so konzipiert ist, dass sie von ihrer Struktur her unfähig ist, das Land selber zu verteidigen und die Bevölkerung zu schützen. Eine auf 120 000 Mann reduzierte Miniarmee ist allein von der Zahl her dazu gar nicht in der Lage.
Die neue Armee ist eine Armee der Internationalisten. Oberst i Gst René Eggenberger, Chef Prospektivplanung Armee XXI, sagt: «Die Schweizer Armee muss sich spezialisieren und näher an die Nato heranrücken» (Nürnberger Sicherheitstagung vom 16. September 2002).
Näher an die Nato heranrücken, und die Neutralität kleiner schreiben, das ist die neue Sicherheitsdoktrin. Zur Neutralität sagt Anton Thalmann, Schweizer Botschafter bei der Nato: «Man muss die Neutralität, an der kein Bedarf mehr besteht, sanft einschlafen lassen.»
Muss man das wirklich? Muss man sich aggressiven Mächten anschliessen und das kostbare Gut der Neutralität einfach aufgeben? Am 18. Mai entscheiden wir darüber, ob wir eine Armee zum Schutz des eigenen Landes wollen oder ob wir eine Armee wollen, die fremden Interessen dienstbar gemacht werden soll

Ruedi Burger, Burg


Zofinger Tagblatt/ Freitag 07. März 2003