Angesichts des schleichenden Zerfalls der Schweiz hat
der bekannte Geschichtsprofessor Wolfgang von Wartburg
„die Errichtung einer dem Menschen gemässen
sozialen Ordnung“ als wichtigstes „Arbeitsziel
einer sich erneuernden Eidgenossenschaft“ gefordert.
Dies sei „die Aufgabe der gesamten Menschheit, im
besonderen aber diejenige der Schweiz.“
(Wolfgang von Wartburg, 1996)
Die Schweiz hat einen beeindruckenden Weg beschritten in dieser Frage. Dank des stetigen Einsatzes für die Weiterentwicklung der direkten Demokratie verfügen die Menschen in der Schweiz über ein weitgehendes Mitgestaltungs- und Mitbestimmungsrecht, welches die Bürger gleichzeitig auch in die Verantwortung für alle Angelegenheiten miteinbindet. So konnten die staatstragenden Bereiche im Sinne der darin lebenden Bürger zur Blüte gelangen. Die Schweizer Bevölkerung verfügt
Seit einigen Jahren ist leider zu beobachten, dass der Bundesrat, ein Teil des Parlaments sowie der Wirtschaft die Schweiz einem radikalen Umbau unterziehen wollen. Ein wichtiger Dammbruch in diesem Zusammenhang war die Annahme der neuen Bundesverfassung, deren Sprengstoff erst heute nach und nach zum Vorschein kommt.
Wie kommt es, dass die kleine Schweiz mit ihrem einzigartigen Staatsmodell derart umgekrempelt wird? Welchen Interessen widerstrebt es, wenn 7 Millionen Menschen die direkte Demokratie ungehindert pflegen können und eine humanitäre Tradition entwickeln konnten, welche auf der ganzen Welt vielen Menschen zu Gute kommt? Wen stört es, dass die Schweiz eine gesunde Landwirtschaft zur Selbstversorgung, eine Bildung für alle auf hohem Niveau, eine unabhängige und gemeinwohlorientierte Volkswirtschaft aufgebaut hat?
Unzählige Menschen empfinden die direkte Demokratie der Schweiz als gelungenes Beispiel eines menschengerechten Staatswesens. Als lebendiges Vorbild nährt es die Hoffnung und ermuntert die Menschen weltweit, immer wieder nach mehr Menschlichkeit, Freihei, Demokratie und Gerechtigkeit zu streben. Deshalb ist die Schweiz so kostbar und darf nicht zerstört werden. Im Gegenteil: Sie muss ihre Fähigkeiten weiterentwickeln und vermehrt noch in den Dienst der ganzen Menschheit stellen.
Die neuen Abkommen zur Ausweitung der Personenfreizügigkeit und zum Schengen/Dublin-Beitritt dienen einzig der Einbindung der Schweiz in die weltweiten Hegemoniebestrebungen einer kleinen, mächtigen Minderheit, die die uneingeschränkte Macht über die Menschen und die Rohstoffressourcen erringen wollen. Eine Schweiz, die sich - entgegen ihren natürlichen Interessen als Kleinstaat - in den weltweiten Kampf um Macht und Geld begibt, verliert ihr Rückgrat, ihre moralische Kraft und Orientierung. Deshalb ist das Engagement gegen die Bilateralen II auch ein Engagement zum Schutz dieser wichtigen schweizerischen Errungenschaften - auch für die Zukunft unserer Jugend. Die Schweiz ist zu mehr fähig als zum hirnlosen Nachvollzug unbrauchbarer Gesellschaftskonzepte.
«Wenn man nach einem Weg in eine bessere Zukunft fragt, so erwarten
wir diesen nicht von einem Programm, wohl aber von der Stärkung der
kleinen und grossen Lichter, von der Vertiefung der moralischen
Qualität jedes einzelnen. Das scheint eine Banalität zu
sein. Aber kein Weg führt an dieser Notwendigkeit vorbei.»
(Wolfgang von Wartburg, 1996)