Leserbrief: Die Quittung kommt später
Nach dem JA zur erweiterten Personenfreizügigkeit wird
Verschiedenes auf uns zukommen. Manche stimmten mit JA, weil sich die
Schweiz als offener Staat und im Verbund mit der EU nicht abschotten
dürfe. Zuversichtlich wird darauf vertraut, dass sich die
Zuwanderer an restriktive Massnahmen (welche?) zu halten hätten
und Kontrollen gegen Lohn-Dumping Missbrauch verhindern würden
(wie lange?). In Deutschland werden im Verhältnis zur Schweiz sehr
viel mehr Kontrolleure eingesetzt. Viele Menschen kamen nach
Deutschland, ganze Belegschaften verloren dadurch den Arbeitsplatz.
Bedenklich ist, dass Gewerkschaften und Sozialdemokratie ihr eigenes
geschichtlich gewordenes Programm und damit die Arbeiterschaft, der
Schweizerische Bauernverband SBV seine Bauern verrieten und den
Grosskapitalisten mit einem JA zu ihrer geplanten Gewinnmaximierung
verhalfen. Der Zürcher Bauernverband mit Ueli Maurer hat sich
dagegen tapfer mit seinem NEIN gehalten. Mnche Arbeiter meinten, sich
mit einem JA ihres Arbeitsplatzes sicher zu sein. Damit wird aber
Lohndrückerei bewirkt werden. Schon jetzt gibt es
Arbeitsplätze, wo Arbeitnehmer auf neue Verträge mit Fr.
500.-- weniger Lohn eingehen müssen; sind sie nicht zufrieden,
erhält ein Billigerer ihren Platz.
Besonders geschmacklos und
unmoralisch ist, dass économiesuisse
hundert
Millionen Franken für die JA-Propaganda einfliessen liess, damit
hernach grosser Profit durch Billigstlöhne gemacht werden kann.
Eine Verhöhnung der Demokratie ist auch, dass im Sommer 2003
gemäss Weltwoche vom 9. Juni 2005 ein paar Bundesräte
für diese Ziele bei den Exponenten der Wirtschaft vorstellig
wurden: sie forderten eine finanzstarke Propaganda, weil 'es ein JA
geben müsse'. Mahnungen an das Volk, 'man diskriminiere die
EU-Ostländer, wenn man sie anders behandle als die alten
EU-Länder' sollten ein NEIN verhindern. Die Schweiz wird auf die
armen EU-Ostländer aber eine andere Sogwirkung haben als auf die
alten EU-Länder. Ein freies Land darf zudem Verbindungen mit
andern Ländern eingehen, wie es wil. Jeder Mensch, jedes Land muss
für sich schauen können: Wohnstube, Haus für die eigenen
Kinder, Arbeitsplätze, Sozialwerke für die eigene
Bevölkerung erhalten. Wie sollen nun die vielen Sozialleistungen
erbracht und gleichzeitig mit tiefen Löhnen gespiesen werden? Die
flankierende Massnahmen - ein Pflaster - machen den Markt starr, dabei
will die Wirtschaft eher Deregulierung. Lehrlingsstellen sind nach 2014
durch nichts gesichert. Wie soll der soziale Friede erhalten bleiben?
Wo sollen die zugewanderten Menschen wohnen? Die Schweiz hat am
allerwenigsten Boden in Europa. Soll auch der noch verbaut werden? Wo
soll dann unsere Nahrung noch wachsen? Wie sollen die Schulen
eingerichtet werden?
Es geht nun darum, sich
Befürworter und Gegner der Vorlage zu merken, bevor sie vergessen
sind. Bei den Wahlen können wir ihnen die Quittung geben.
Regula Escher